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Franz Josef Czernin


Vier Sonette


akt (luft, sonett)

wie schatten jedes stück mir spielt, gross aufzuziehen,
wie ich dich bausche auf, mich greifst aus heisser luft;
so teilt sich mit, wie dergestalt wir uns verliehen,
dass uns vorschwebend aufbläst jeder deut ja, duft.

besetzt davon sind, selbst leichtsinnig uns dem weihen,
doch schwarz in schwarz gemalt, es falsch hervor mich ruft,
schief bildend dich; stofflich aufgeht: nichts kann befreien,
das eingeräumt von uns - uns selbst zerreisst die kluft:

die schatten springen über sich, im finstern uns verkehren,
wie dies mich darstellt, bloss-, mit haut bist, haar gepackt;
schrecklich gegliedert sind, gleich leibhaft uns bescheren:

nur ein gesicht noch weiss, sich selbst verlierend, nackt
zu ende schneidet, boden, grund sich zu zerstören:
mit allen fasern wahrhaft sind verfehlt, versagt?

(luft, sonett)

wie du mir leuchtest ein, sei leichthin übertragen
auf schatten, die einander werfend mich bestreiten,
sich selbst umreissend auf sich spielen, sich zu tagen
und auf einander treten, bis uns hier die seiten

selbst wechseln; so blitzt auf es, einschlägt aus zu sagen
in schichten tief, dass wir uns schmerzhaft reich ausdeuten;
im schwarzen bist getroffen und ich davon beschlagen,
bis all die schemen wörtlich selbst sich überschreiten:

in welchem namen immer es sich dreht und wendet,
redlich es geht uns auf, gleich unter-, zu vollbringen,
dass dunkles weiss uns macht, uns helles schwarz sich spendet:

wie funken schatten überall jetzt überspringen,
da dies so heisst, wie ineinander sind geblendet,
umnachtend nichts mehr scheiden, ganz allein durchdringen.

(luft, sonett)

wie du mir leuchtest ein, sei leichthin übertragen
auf schatten, die einander werfend mich bestreiten,
sich selbst umreissend dich anspielen, so geschlagen,
einander hoch aufsteigen, bis sich hier die seiten

anders aufziehn: wie es, im flug, dir widerhalle,
schwerwiegend sei hier übersetzt so tief, dass stellen,
einander tönen an, wo ich in dich einfalle,
bis es uns stimmt so überein, dass alle schwellen

sich überschreiten wörtlich: wie sind wir uns leicht,
da lüfte greifen sich daraus, sich an hell klingen,
doch auch gewichtig sind bestürzt, so weit es reicht

ins dunkle: wie sich orte leibhaft laut durchdringen,
jedes sich tauscht, bis es uns, leer, aushält, ja -gleicht:
uns wieder sind gegeben selbst, allein vollbringen?

schatten, riss (luft, sonett)

es wirft sich darauf, schlagend schattenhaft dies licht,
dass ich mit uns selbst teile: mich dein schatten gebe
so wieder, da jetzt dunkel, den platz tauschend, schicht
um schicht mich zeigst, bis in dir, schemenhaft, auflebe:

so leuchtet ein, dass das, was scheint, sich selbst aufbricht
als finstres, uns fügt zu einander, doch in schwebe,
wo uns wir bilden, ein-; was dämmert, wird gesicht,
beleibt, doch ungefasst, dass es sich leicht aufhebe

nicht nur in meinem sinn! - wie es uns wieder kehrt,
gemalt, doch schwarz, sich selbst, zwielichtig, hier zu streichen,
durchkreuzend blick um blick, sich schwelle widerfährt:

wie das ort hält, sich selbst da stück für stück lässt gleichen,
stets wir sind übertragen, darin ganz beschert:
ob, was dies weiss, jetzt reicht sich selbst, sein letztes zeichen?

[kolik 8]