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Die Zeitschrift kolik entsteht aus dem Wunsch heraus, jener Literatur und vor allem auch jenem Diskurs über Literatur, die nicht den Kriterien und den Anforderungen des Marktes entsprechen, weil sie zu kritisch, zu polemisch, zu anspruchsvoll sind, einen Ort zu geben. Sie entsteht als Reaktion auf den Zwang zur Gefälligkeit, zur Lobhudelei und zum Konsens, der einem nicht nur als Angst vor Geschäftsstörung, sondern auch als falsch verstandene Solidariät begegnet, und der nicht nur jede Kritik im Keim erstickt, sondern letztlich auch der Literatur schadet, weil er jedes Nachdenken über sie und ihre Bedingungen verhindert. Das Bestreben, nirgendwo anzuecken und es allen, Lesern, Autoren und eventuellen Inserenten, recht zu machen, kann und darf nicht das Ziel einer Literaturzeitschrift sein.

Insofern, als sie zu Widerspruch und Einspruch anstachelt, stellt sich die Zeitschrift kolik auf die Seite der Literatur und der Autoren. Sie will nicht nur Bestehendes abbilden, sondern in die Produktion eingreifen, eine ernsthafte und sorgfältige Auseinandersetzung mit Literatur und ihrem Umfeld, mit Kultur- und Marktpolitik gewährleisten: eine Auseinandersetzung, die vor Konflikten und Konfrontationen nicht zurückschreckt.

Die Zeitschrift kolik wird keine Schwerpunkte vorgeben, denen sich die Autoren anzupassen haben, sondern Zwischenberichte über den augenblicklichen Stand von Produktion und Reflexion geben, und zwar in Form von literarischen Texten, Essays und Rezensionen. Ihr Hauptinteresse gilt der deutschsprachigen und natürlich der österreichischen Literatur, vorgesehen sind jedoch auch regelmäßige Übersetzungen aus anderen Sprachen. Einziger Fixpunkt: ein parallel in Originalsprache und deutscher Übersetzung veröffentlichter Text.
In diesem Sinne wünschen wir unseren Lesern und vor allem auch uns viel Spaß.

Gustav Ernst/Karin Fleischanderl

(Editorial zu Heft Nr. 1, Herbst 1997)

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ISSN 1560-6775